Montag, 20. Juni 2011

LEBEN

Lektion 1: Don’t worry, be happy!

In dem St. Joseph’s Hospital in Koforidua befinde ich mich an einem Ort, der einen sehr interessanten Schnittpunkt darstellt: umgeben von den Beschwerden und dem Leid der Patienten, stoße ich hier tagtäglich auf eine unglaubliche Fröhlichkeit, die hochansteckend ist. Das ganze Land ist infiziert. Es gibt kaum Mittel, sich dagegen zu wehren, geschweige denn Medikamente, die die rasante Ausbreitung aufhalten könnten. Touristen sind dem Phänomen hilflos ausgeliefert – nach ein paar Tagen werden sie wie die infizierten Einwohner: sie werden glücklich J
HAPPYNESS – wo finden wir das in Europa? In den Büros, hinter den Schreibtischen, auf den Tastaturen, auf denen wie wild herumgehackt wird? In den Bussen, Bahnen und Autos, die durch überfüllte Straßen hetzen, nur um an der nächsten Ampel, beim nächsten Stopp, wieder ächzend stehen zu bleiben? In den Städten, in denen man Jahrzehnte, vielleicht ein Leben verbringen kann, ohne auch nur ein Wort mit dem Nachbarn zu wechseln?
In Deutschland müssen wir das Glücklichsein der Menschen suchen. Wir müssen auf Feste gehen; bei gutem Wetter aufmerksam die Menschen an den Seen, in den Eisdielen beobachten; im Fernseher mit verfolgen, wie andere viel Geld gewinnen, glücklich werden, glücklicher und reicher, als wir selbst es sind. Das, was hier in Ghana allgegenwärtig und alltäglich zu spüren und zu sehen ist, versteckt sich in Deutschland zunehmend hinter freudigen Anlässen, Feiern und Festen. Viele glauben es sogar in ihrem Geldbeutel hinter den Papierscheinchen und den Münzen zu entdecken.
Wenn dem so wäre, hätten alle Ghanaer eine ganze schön dicke Brieftasche!
Wie man sich unschwer vorstellen kann, ist das Gegenteil hier der Fall. Also begab ich mich im fernen Ghana auf die Suche nach dem GLÜCK der Menschen, sozusagen nach dem, was die ghanaische Welt im Innersten zusammenhält…
Zusammenhalt ist dabei das erste Stichwort. Ich habe selten eine so selbstverständliche Solidaritätshaltung erlebt. Alles ist für alle da. The World is my family. Diese Lebenseinstellung kommt vor allem Gästen zu gute, die sich in Ghana stets so fühlen können, wie in Deutschland nur der Kunde im Supermarkt willkommen geheißen wird – hier ist man König. Ich habe mir sagen lassen, dass man als Fremder in diesem Land auf kein Haus treffen wird, in dem man nicht freudig empfangen, nicht sogleich an den Essenstisch weitergereicht wird. Arm oder reich, das spielt keine Rolle. Ich empfinde das TEILEN hier wie einen ewigen Kreis, der alle miteinander verbindet. Was man gibt, kommt – in welcher Weise auch immer – wieder zu einem zurück. Jede Gabe, die mit guten Wünschen von einer zur anderen Hand wandert, knüpft Kontakte, einen weiteren Knoten. So entsteht ein Netz, das alle Gesellschaftsschichten miteinander verbindet. Dem Menschen an sich werden viele Eigenschaften nachgesagt, doch eine ist und bleibt bezeichnender als alle anderen: der Mensch ist ein soziales Wesen. Wer in unserem gehetzten Alltag den Glauben an diesen Grundsatz zu verlieren glaubt, sollte schleunigst seine 20 Minuten Mittagspause für einen Besuch im Reisebüro opfern.
Klingeling, herein, was wünschen Sie? Einmal ein Ticket nach Ghana, bitte! Hin und zurück? Ich brauche keinen Rückflug, Danke. Ich fahre dort hin, um das zu finden, was ich hier verzweifelt suche. Wer will dann schon wieder zurück? Was suchen Sie denn, wenn ich fragen darf? Nächstenliebe. Ich suche Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Und Sie glauben, das in Ghana zu finden? In Ghana glaube ich an Gott.












Dienstag, 7. Juni 2011

LEBEN

ANKOMMEN

Den ersten Schritt aus dem Flugzeug gesetzt reißt es dich mit. Erst die Sinne, dann die Seele. Es raubt dir den Atem. Während du den zweiten Schritt wagst, fragst du dich, wie das Alltäglichste der Welt dich so umhauen kann. Es ist das LEBEN, das sich auf dich stürzt. Das Leben der anderen. Mit all seinen Gerüchen – zum Teil abstoßend, zum Teil verführerisch exotisch – all seinen Geräuschen – verstörend und laut im ersten Moment – all seinen Bildern – Pflanzen, Tiere, Straßen, vollgepropft mit Marktständen, Autos und Menschen, die du nicht kennst, noch nicht kennst, vielleicht nie kennen lernen wirst.

Das LEBEN berührt dich unweigerlich sobald du beschließt, dieses Flugzeug zu verlassen und ein vollkommen fremdes Land zu betreten. Du wirst dich seinem Rhythmus anpassen, egal ob du willst oder nicht. Denn als kleiner Punkt in einer wogenden Menge wird man einfach mitgerissen.

Klein, so habe ich mich gefühlt, als ich – noch ganz überwältigt von den ersten Eindrücken – den Flughafen in Accra, Hauptstadt von Ghana, verließ. 20 Minuten später hatten meine Freundin und ich den Bruder, der uns abholen sollte gefunden. Danach genügten 60 Sekunden, um uns WILLKOMMEN zu heißen, Seele, Körper und Geist durchatmen und ein Gefühl von Heimat einkehren zu lassen. 1 Minute, 60 Sekunden, reichen in Ghana aus, Fremden die typischen anfänglichen Sorgen oder Zweifel zu nehmen. Wie das gehen soll? Ich werde es erklären!

Die ersten Sekunden: du wirst von jedem, wirklich jedem, willkommen geheißen – AKWAABA von allen Seiten.
20 – 30 Sekunden: tausend freundliche Gesichter lachen dich an, lachen dir zu. Du wirst angesteckt, der Virus verbreitet sich rasend schnell im Körper. Er hinterlässt ein wohliges Gefühl, steigt dir zu Kopf, besetzt deine Gesichtsmuskeln. Und schon ist es geschehen! Du lächelst. Die Sorgenfalten, die sich auf der Suche nach Bruder Michael immer tiefer in die Stirn gefressen haben, glätten sich. Du bist…glücklich!
Die letzten 30 Sekunden: noch benommen, von der Freude, Wärme und Herzlichkeit, mit der du soeben empfangen wurdest, spürst du, wie dir eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt wird. Du bedankst dich, hocherfreut über die willkommene Erfrischung. Noch während des ersten Schlucks laufen die 60 Sekunden ab.
Noch während des ersten Schlucks begreifst du einen Teil dieser neuen Kultur, begreifst ein Stück weit das LEBEN. 

Don’t worry be happy!

Der Glaube an Gott – NYAME – und christliche Nächstenliebe, die Grenzen überschreitet. Teilen, alles und mit jedem. Die Welt ist eine große Familie. 

Du bist angekommen. Du bist ein Teil dieser Welt – geworden, in nur 60 Sekunden.
Ghana, ich danke für die erste Lektion, die ich von dir lernen durfte. Denn jetzt bin ich mir sicher, dass ich hier nicht nur Geben, sondern hauptsächlich Lernen werde. Welche Lektionen wird mir dieses Land geben? Das Land, das sich auf einem Kontinent befindet, von dem so viele denken, sie können, sie müssen ihm alles lehren und diktieren! 

Sonntag, 22. Mai 2011

GLAUBEN. LEBEN. GEBEN.



Die Botschaft von missio habe ich mir zu Herzen genommen - und will ihr in Ghana, weit weg von meinem Zuhause, folgen.


Ich GLAUBE an eine bessere Welt. Ich tauche in ein ganz anderes LEBEN ein. Und ich will nehmen indem ich GEBE.

Ich lade ein zu einer außergewöhnlichen Reise, bei der ich selbst gespannt bin, wie und ob sich meine mission in Ghana erfüllen wird.