Lektion 1: Don’t worry, be happy!
In dem St. Joseph’s Hospital in Koforidua befinde ich mich an einem Ort, der einen sehr interessanten Schnittpunkt darstellt: umgeben von den Beschwerden und dem Leid der Patienten, stoße ich hier tagtäglich auf eine unglaubliche Fröhlichkeit, die hochansteckend ist. Das ganze Land ist infiziert. Es gibt kaum Mittel, sich dagegen zu wehren, geschweige denn Medikamente, die die rasante Ausbreitung aufhalten könnten. Touristen sind dem Phänomen hilflos ausgeliefert – nach ein paar Tagen werden sie wie die infizierten Einwohner: sie werden glücklich J
HAPPYNESS – wo finden wir das in Europa? In den Büros, hinter den Schreibtischen, auf den Tastaturen, auf denen wie wild herumgehackt wird? In den Bussen, Bahnen und Autos, die durch überfüllte Straßen hetzen, nur um an der nächsten Ampel, beim nächsten Stopp, wieder ächzend stehen zu bleiben? In den Städten, in denen man Jahrzehnte, vielleicht ein Leben verbringen kann, ohne auch nur ein Wort mit dem Nachbarn zu wechseln?
In Deutschland müssen wir das Glücklichsein der Menschen suchen. Wir müssen auf Feste gehen; bei gutem Wetter aufmerksam die Menschen an den Seen, in den Eisdielen beobachten; im Fernseher mit verfolgen, wie andere viel Geld gewinnen, glücklich werden, glücklicher und reicher, als wir selbst es sind. Das, was hier in Ghana allgegenwärtig und alltäglich zu spüren und zu sehen ist, versteckt sich in Deutschland zunehmend hinter freudigen Anlässen, Feiern und Festen. Viele glauben es sogar in ihrem Geldbeutel hinter den Papierscheinchen und den Münzen zu entdecken.
Wenn dem so wäre, hätten alle Ghanaer eine ganze schön dicke Brieftasche!
Wie man sich unschwer vorstellen kann, ist das Gegenteil hier der Fall. Also begab ich mich im fernen Ghana auf die Suche nach dem GLÜCK der Menschen, sozusagen nach dem, was die ghanaische Welt im Innersten zusammenhält…
Zusammenhalt ist dabei das erste Stichwort. Ich habe selten eine so selbstverständliche Solidaritätshaltung erlebt. Alles ist für alle da. The World is my family. Diese Lebenseinstellung kommt vor allem Gästen zu gute, die sich in Ghana stets so fühlen können, wie in Deutschland nur der Kunde im Supermarkt willkommen geheißen wird – hier ist man König. Ich habe mir sagen lassen, dass man als Fremder in diesem Land auf kein Haus treffen wird, in dem man nicht freudig empfangen, nicht sogleich an den Essenstisch weitergereicht wird. Arm oder reich, das spielt keine Rolle. Ich empfinde das TEILEN hier wie einen ewigen Kreis, der alle miteinander verbindet. Was man gibt, kommt – in welcher Weise auch immer – wieder zu einem zurück. Jede Gabe, die mit guten Wünschen von einer zur anderen Hand wandert, knüpft Kontakte, einen weiteren Knoten. So entsteht ein Netz, das alle Gesellschaftsschichten miteinander verbindet. Dem Menschen an sich werden viele Eigenschaften nachgesagt, doch eine ist und bleibt bezeichnender als alle anderen: der Mensch ist ein soziales Wesen. Wer in unserem gehetzten Alltag den Glauben an diesen Grundsatz zu verlieren glaubt, sollte schleunigst seine 20 Minuten Mittagspause für einen Besuch im Reisebüro opfern.
Klingeling, herein, was wünschen Sie? Einmal ein Ticket nach Ghana, bitte! Hin und zurück? Ich brauche keinen Rückflug, Danke. Ich fahre dort hin, um das zu finden, was ich hier verzweifelt suche. Wer will dann schon wieder zurück? Was suchen Sie denn, wenn ich fragen darf? Nächstenliebe. Ich suche Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Und Sie glauben, das in Ghana zu finden? In Ghana glaube ich an Gott.
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